12.02.26: Gedenken an NS-Opfer – Religionskurs S1 besucht Lesung im Rathaus
Am internationalen Holocaust-Gedenktag wird jedes Jahr an die Opfer des Nationalsozialismus und ihr unermessliches Leid erinnert. An diesem Datum, am 27. Januar 1945, wurde vor inzwischen 81 Jahren das KZ-Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit.
Seit 1998 findet alljährlich eine szenische Lesung im Rathaus statt, die vom Lichtkünstler und Historiker Michael Batz erarbeitet und gestaltet wird. Zu konkreten Lebensgeschichten werden Originaldokumente aus Archiven zusammengetragen und von bekannten Hamburger Schauspielern vorgetragen.
Der S1-Religionskurs besuchte diese Veranstaltung der Bürgerschaft im Zeichen der Erinnerungskultur mit dem Titel DAS LILA LIED zum Thema der Verfolgung, Verhaftung und Ermordung von Homosexuellen während der Zeit des Nationalsozialismus in Hamburg.
Hier einige besondere Eindrücke:
„Die Verfolgung von Homosexuellen in der NS-Zeit ist bisher wenig bekannt…uns war das nicht bewusst! “(Alle)
„Die Lesung war eine ganz neue Erfahrung, ähnlich wie ein Theaterstück, aber mit echten Lebensgeschichten… anders als Unterricht!“ (Tom, Marieke)
„Da die Orte uns bekannt sind, wo es passierte, z.B. in Altona oder St.Pauli, konnten wir die Geschehnisse intensiver verfolgen… und die persönlichen Schicksale wurden greifbarer an Orten in Hamburg, an denen wir im Alltag vorbeigehen…“ (Mia , Emilia)
„Die einzelnen Schicksale sind erschütternd. Es ist erschreckend, schockierend und unglaublich grausam, wie man die homosexuellen und queeren Menschen behandelt hat. Sie wurden bloßgestellt, öffentlich gedemütigt, entmenschlicht, als widernatürlich dargestellt.“ Defne, Amiya, Frida)
„Dieses Unrecht darf niemals vergessen werden, solches Unrecht darf sich nie mehr wiederholen!“ (Emilia, Defne)
„Die öffentliche Lesung der authentischen, historischen Dokumente schafft Verbindung zur Gegenwart, mahnt zu Toleranz, Respekt und Wahrung der Menschenwürde. Die Erinnerungskultur ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.“ (Lara)
„Die betroffenen Opfer wurden gewürdigt, indem am Schluss auf die Orte ihrer Stolpersteine verwiesen wurde.“(Anna-Sophie)
„Ich fand es sehr gut, dass wir bei dieser Lesung waren, da es wichtig ist, dass sich unsere Generation mit der NS-Zeit auseinandersetzt.“ (Elena)
„Die Lesung hatte eine starke emotionale Wirkung, die Stimmung war ernst und etwas bedrückt, die Geschichten ergreifend und berührend. Unmittelbar nach der Veranstaltung erlebten wir Nachdenklichkeit und Betroffenheit…“ (Alle)
„Die Lesung hat uns teilweise sehr bewegt. Sie hat deutlich gemacht, wie Menschen, die anders liebten, als es die Norm damals erlaubte, ausgegrenzt und ihre Würde genommen wurde. Besonders eindrucksvoll war für uns, dass einige Betroffene trotz der schweren Strafen, die ihnen drohten offen zu ihrer sexuellen Identität standen. Dass homosexuelle Menschen auch nach dem Ende des Nationalsozialismus ihre Strafen weiterhin absitzen mussten und Homosexualität in Deutschland erst 1994 vollständig entkriminalisiert wurde, hat uns sehr bewegt und besonders nachdenklich gemacht.“
(Annie)
Die gnadenlose und brutale Grausamkeit der nationalsozialistischen Verbrechen bleiben unvorstellbar. Durch die Lesung über die Einzelschicksale wurde die Vergangenheit in einem konkreten Bild nachgezeichnet. Erlebnisberichte, nüchterne Fakten aus Gerichtsakten oder geschilderte Gedanken und Gefühle aus persönlichen Briefen haben im Publikum viele Eindrücke entstehen lassen. Nun konnten wir zumindest das Ausmaß des Unrechts und dessen Nachwirkungen erahnen… (Bn)


