Sommerkonzert 2026

04.06.26: WdG-Sommerkonzert 2026 – überall bunt…
 

Die Frage, ob das nun Kitsch war oder eine unsubtile Form der Ironie, lässt sich guten Gewissens mit „beides“ beantworten. Es begab sich nämlich, dass beim WdG-Sommerkonzert in der Aula das Lied „Bunte Farben“ zur Aufführung kam und kurze Zeit später während der Pause ebensolche in Form eines Regenbogens sich über den Volksdorfer Himmel spannten. Wir nehmen das, bescheiden und uneitel, als eine Geste des Einverstandenseins durch höhere Mächte, die wir, metareligiös und polytheistisch schulmottogemäß auf eigenem Weg, auf unserer Seite wissen.

Sommerkonzert also. Die labile Wetterlage mit aprilhafter Regendialektik – mal nass, mal Sonne, mal sehr warm, dann in Wind und Schatten wieder empfindlich kühl – machte den Plan, den Innenhof als Spielort zu nutzen, zunichte. Da aber Not erfinderisch macht, wurden in der Aula kurzerhand zwei Bühnen konzerttauglich gemacht: Auf der Stirnseite die große Spielbühne mit Deckenlicht und Vorhang, auf der gegenüberliegenden eine mobile Podestbühne mit Traversenlicht für die beiden BigBands. Das machte eine ungewöhnliche Sitzrotation nötig, denn in der Pause mussten nach den Orchestern und Chören die Stuhlreihen um 180 Grad gedreht werden. Die beiden Bühnen stellten obendrein eine Herausforderung an das Technik-Team um Karsten Hauschild dar, Sound und Licht galt es nun doppelt einzustellen. Der große Applaus für die Technikabteilung war insofern mehr, viel mehr als eine Geste des bloßen Dankes, sondern eine Respektverbeugung, die allemal verdient war, weil alles klappte wie am Schnürchen, und wenn mal nicht so wie bei einem schweigenden Fender-Piano, waren Hauschilds kundige Hände zugegen, die innerhalb einiger Augenaufschläge alles zu richten wussten.

Der Anfang eines Konzertes setzt in der Regel ein Zeichen, was zu erwarten ist vom weiteren Programm. Diesmal begann das A-Orchster mit „Red Comet“. Das umgearbeitete Arrangement des facettenreichen Stückes faltete dabei die dynamischen Stakkati des Originals, die an die Titelmelodie von „Fluch der Karibik“ erinnern, auseinander, streckte die Melodiebögen, vor allem getragen durch die Streichinstrumente, in einen spannenden sich ziehenden Tonfaden. Claudia Cerachowitz am Pult führte das präzise agierende Ensemble souverän und wie immer mit voller Leidenschaft durch das komplexe Schallgelände. Anschließend dann das C-Orchester unter der Regie von Markus Norrenbrock, das „Sad Story“ gab, wuchtig und intensiv. Wer meint, das „C“ sei eine Kategorie im Sinne von „weniger als A und auch als B“ wurde eines Besseren belehrt, denn „sad“ war hier gar nichts, sondern fröhlich, konzentriert und fidel.

Anschließend dann das B-Orchester, und das „B“ steht dann wohl für Begeisterung in diesem Fall. Fabian Josten wählte mit den jungen Musiker:innen ein Stück aus der Romantik, Tschaikowskis „Schwanensee“, wer erkannte nicht sofort diese schwebende Melodie, die Feintuning und aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel erfordert – was eindrücklich demonstriert wurde. Gemeinsam mit dem Mittelstufenchor wurde es dann mit dem „Abendlied“ besinnlich.

Und dann war dreifache Chorzeit mit Unterstufen-, Mittelstufen und Oberstufenchor, und wer die WdG-Konzerte und Anne Zugic und Rüdiger Bültmann kennt, weiß sie/ihn erwartet: Das Unerwartete, Unerschrockene, Kreative, alle Seelenlagen auslotende. Allein dem Unterstufenchor dabei zuzusehen und zu -hören, wie sie Elton Johns Gassenhauer „I´m still standing“ mit einer globalkörperlichen Choreo untermalten – herrlich!

Dann wendeten sich die Köpfe um eine Halbumdrehung, und die beiden BigBands lieferten den zweiten Abendteil. Olaf Klindtworts Akribie, junge Talente an das gemeinsame Musizieren heranzuführen, ist immer aufs Neue beeindruckend. „Hey Jude“ muss man erst einmal so emphatisch singen und spielen, wie es hier dargeboten wurde. Die große BigBand mit Pia und Christoph am Mikro und dem gewohnt percussiven Drive spielte Santanas Dreamliner „Europa“ und natürlich Stevie Wonder, aber auch Steely Dans „Pretzel Logic“. Und, in diesen Tagen besonders wichtig, die Selbstbestimmungshymne schlechthin: Natural woman von Aretha Franklin. Ein ganz besonderer Moment dann am Ende mit „Ben´s Song“, den ebenjener Ben am Piano mit dem Abi-26-Chor ins schweißnasse Publikum schickte. Bye, bye, Ben und ihr alle anderen Abi´s 26, die ihr eure Abschiedsvorstellung gabt! Ihr werdet fehlen, aber eure Inspiration habt ihr weitergegeben an die nachrückende Generation.

Von ihr werden wir wieder hören, bald, bei den nächsten Konzerten nach den Sommerferien. Wir freuen uns darauf! (Fb)

Mehr lesen...