„Back from Wolfenbüttel“ 2026

28.03.26: Der Mensch gedeiht in freien Räumen: Chor, A-Orchester und das Orchester be-allegri finden das Ich im großen Wir
 

Was ist das, ein gutes Leben? Wie passe ich hinein in diese schnell und manchmal auch durchdrehende Welt? Wer bin ich überhaupt, und was ist das Wir? Wie bekommen wir das hin, aus der Summe von Einzelichs ein wärmendes, uns schützendes Gesamtwir zu bauen? 

Das sind die Fragen, mit denen sich die jungen Musiker:innen der Orchester und des Chors beschäftigt haben vor allem während der fünftätigen Probenfahrt nach Wolfenbüttel, und die Grundlage waren der Stückeauswahl, die am 26.3. beim großen „Back from Wolfenbüttel“ – Konzert zur Aufführung kamen.

Die Spenden dieses Abends gingen daher auch sinngemäß an die „Refugee Sisters Hamburg„. 

Besonders zu erwähnen ist zunächst, dass drei Arrangements, nämlich die zu „Bunte Fahnen“, „People help the people“ und dem Michael-Jackson Medley, von einem ehemaligen WdG-Alumni stammen: Henning Wölk! Nach dem Abi am WdG hat er Schulmusik studiert, dann Komposition in Berlin. Inzwischen ist er Dozent an der Hanns Eisler Musikhochschule Berlin und an der Dresdener Musikhochschule, parallel komponiert und arrangiert er viel, außerdem konzertiert er mit seinem (ziemlich erfolgreichen) Vocal-Ensemble „Vocoder“. 

Das erste Stück, „Bunte Fahnen“ von Make a move, setzte in diesem Sinne den Ton: Akustisch durch seinen synkopischen Beat, den das A-Orchester und das Orchster be-allegri butterweich federnd hintupfte, von Anne Zugic am Dirigentenpult emphatisch durch das komplexe Notengeflecht gelotst. Das Verschweigen als Zeichen von Scham und Verdrängung gegenüber vermeintlich Schwächeren thematisiert „We don´t talk about Bruno“, das das A-Orchester unter der Leitung von Claudia Cerachowitz mit viel Sinn für Nuancen interpretierte.

Die JacBeats braucht man an dieser Stelle nicht mehr vorzustellen. Aber das Publikum bekam einen plastischen Eindruck davon, welche Vorstellungen die Band leiten in ihrer eindrucksvollen Entwicklung bis heute. „Wir sind eine klassische Rockband“, so Sänger und Gitarrist (Vibraphon spielt er auch) Frederik. Das ist einerseits richtig, aber auch reichlich Understatement, wenn man der Bezeichnung „klassisch“ unterstellt, was mit langweilig oder Mainstream zu meinen. Im Gegenteil hat die Gruppe ihren ganz eigenen Stil gefunden zwischen Rauheit und Lautstärke einerseits sowie Zartheit und Grazilität andererseits. Die beiden natürlich selbst komponierten Stücke „Enjoy your life“ und „Help me“ setzten sich, die Titel sagen es, ebenfalls mit der Frage auseinander, was mit dem Leben anzufangen ist – sehr viel – und dass man manchmal Hilfe braucht, um über einen Graben zu kommen.

Genau das ist auch das Thema von Birdys „People help the people“, einem Appell für Mitgefühl und Hinsehen, wie es der/dem anderen geht. Orchester und Chor holten groß aus, und Fabian Josten am Pult, ein Foto zeigt es, hob ab vor lauter Hingabe.

Speziell wurde es dann mit Anne Zugic´ Kammerchor. „Time“ von Lucy Cook ist eine Art Hochgeschwindigkeits – a capella – Sprint, der absolute Präzision verlangt in der Umsetzung: Kein Ton darf verrutschen, kein Einsatz zu spät sein. Was die 13 Sänger:innen boten, darf als Extraklasse angesprochen werden. Der Saal tobte.

Dann wurde es mit Bob Dylans „The times they are a changing“ emotional, denn vor allem die angehenden Abiturienten werden bald sehr erfahren, dass sich die Zeiten für sie umfassend ändern werden, nämlich indem sie das WdG verlassen und eigene Wege gehen, sich selbst ausprobieren in einer Welt der Herausforderungen. So manches Gemüt auf der Bühne war überwältigt von dem Moment, und das übertrug sich natürlich ins Publikum, wo Eltern, Freunde und auch die Lehrer spürten, dass etwas Besonderes in der Luft lag, nämlich die Gewissheit von Wehmut und Abschied und gleichzeitig das hoffnungsvolle Morgengrauen des Aufbruchs.

Zuletzt übernahm Rüdiger Bültmann das Dirigentenamt, und weil dieser Mann nun alles ist, nur kein  – noch mal klassisch – klassischer Musikvermittlungsamtsmann mit Stempelkissen, Stechuhr und Protokollbuch, wurde es nochmal speziell: Drei Michael-Jackson-Nummern wurden miteinander verschraubt, in sich gedreht, aufgefaltet und modelliert. Cinemascopisch könnte man das nennen, ein musikalischer Blockbuster, eine Überwältigungsmaschine, die den Musizierenden und Vokalist:innen ein Hochmaß an Überzeugung abverlangt. Großes Outro am Ende, finalistisch gesteigert. 

Wo man am Ende ankam? Wo man anfing: Beim „Man in the mirror“. Das nämlich ist die Kernbotschaft gewesen dieses einstündigen Abends: Ich kann mich verändern. Die Welt ist gestaltbar, wir wollen sie bunt und reich an Farben. Wir halten an uns fest, uns gegenseitig fest und glauben fest an eine bessere Zukunft! Sie wird kommen, wenn sie so wird wie dieser Abend. (Fb)

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